CD-Tipps

Tom Petty & The Heartbreakers - Mojo

Vor geraumer Zeit öffneten Ereignisse Wege, die Tom Petty and the Heartbreakers dazu anregten, das Lenkrad für eine Richtungsänderung herum zu reißen. Vielleicht gab den Ausschlag, als Petty eines Nachts mit der Idee aufwachte, seine erste Band Mudcrutch mit allen Originalmitgliedern - unter anderem Mike Campbell und Benmont Tench - wieder zu vereinen und mit „Mudcrutch“ (2008) endlich das Album aufzunehmen, das der Southern-Rock-Gruppe bis zur Auflösung 1975 verwehrt blieb.

Vielleicht fiel der Entschluss etwas später, als die Heartbreakers die 4-CD-Box „The Live Anthology“ (2009) mit einem Rückblick auf 30 Konzertjahre zusammenstellten. Oder war es, als alle Herzenbrecher Privatfilme, Outtakes und Live Footage an den Regisseur Peter Bogdanovich für dessen später Grammy prämierte Vierstunden-Dokumentation „Runnin’ Down A Dream“ übergaben? In dieser Phase wiesen einige Indikatoren mehr als diese Rückblicke darauf hin, dass die Heartbreakers nicht zurück kommen sollten. Immerhin stammte ihr letztes Album „The Last DJ“ aus dem Jahre 2002, Tom Petty selber befand sich auf erfolgreichen Solopfaden. Die gefragten Studiomusiker Mike Campbell und Benmont Tench nahmen etliche Songs der „American Recordings“ mit Johnny Cash bis zu dessen Tod auf. Es gab weiterer Seitenprojekte und Experimente, und als die Heartbreakers dann doch wieder vereint waren, flossen all diese Erfahrungen auf „Mojo“ (VÖ 11.06.2010) ein. Vor allem aber wurde der Geist der Aufnahme-Sessions zu „Mudcrutch“ wiederbelebt.

So spiegelt das erste Album nach acht Jahren den Sound einer Band wieder, die nicht voneinander getrennt im Studio arbeitet. Die stattdessen gemeinsam in einem Raum spielt, sich anschaut und zusammen singt. Die Musik wurde live aufgenommen und klingt dadurch lebendig, sie kommt ohne technische Tricksereien und Overdubs aus. Was man zu hören bekommt, ist das konservierte Ergebnis eines nicht reproduzierbaren Momentes.

Tom Petty zu „Mojo“: „Mit diesem Album möchte ich den Menschen zeigen, wie die Band klingt, wenn sie für sich alleine spielt“.

„Mojo“ führt über alle Felder urtypisch amerikanischer Musik, von Rock &’ Roll zu Country und elektrifiziertem wie akustischem Blues, von Balladen zu schnellen Nummern. Dazu addieren sich die bildhaften Texte von Tom Petty, der von einem barfüssigem Mädchen erzählt, das im hohen Gras an einer Zuckerstange lutscht. Von Jungs, die mit Motel Dienstmädchen eine wilde Party feiern und erstmals mit dem Gesetz in Berührung kommen. Der Liebesbeziehung des dritten US-Präsidenten Thomas Jefferson mit der Sklavin Sally Hemings. Tom Petty würde wahrscheinlich jeden, der ihn einen Poeten nennt mit Steinen bewerfen. Doch ganz bestimmt verfügt der Mann aus den Südstaaten über viel Humor und ein feines Gespür für gute Geschichten.










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